Sonntag, 17. Juni 2012

Deterministisches Chaos

Liebe Frau Therapeutin, 

Ich weiß nicht wohin mit all diesen Fragen, Gefühlen, Gedanken und inneren Kämpfen.

Es ist so seltsam. Mir geht es nicht besonders gut, aber auch nicht grottenschlecht. Man könnte meinen, Ich lebe vor mich hin.
Eigentlich...

Am Freitag, habe Ich wie Sie es mir geraten hatten zu Abend gegessen. Ich habe es gegessen obwohl ich keinerlei Appetit oder Hunger hatte. Ich habe es nicht genossen. Es war einfach nur mechanisches Kauen um was gegessen zu haben. 
Aber dann wurde ein Schalter in meinem kopf betätigt und Ich verlor die Kontrolle. Ich habe immer mehr gegessen. Am ende war mir richtig übel. Schlecht gelaunt durch meine fressattacke bin Ich in mein Zimmer gestampft. 
Dort habe Ich dann mein Shirt hochgezogen und mich im Spiegel betrachtet. In meiner Körpermitte wölbte sich eine riesige Kugel. So Fett und eklig. Die tränen brannten mir schon in den Augen. Doch anstatt zu weinen habe Ich angefangen mir in den bauch zu boxen. Ich weiß nicht wieso, es kam einfach. Man muss sich das mal vorstellen: Ich stehe in meinem Zimmer und boxe wie verrückt in meinen bauch und murmel die ganze Zeit "fette Kuh", "Miststück", "fettsack" und sonstige Beleidigungen...

Am nächsten Tag ging es mir eigentlich besser. Nur verspürte Ich wieder diesen extremen Appetit in der früh. Und am Abend bin Ich von meinem eigentlichen Menü (Hühnerbrust und Brokkoli) abgewichen und hab noch Kartoffeln gemacht und mir beim zubereiten noch sämtlichen süßkram reingestopft.

Ich hasse mein essverhalten! Das ist nicht mehr normal. Mal esse Ich normal, dann wieder zu wenig und dann wieder wie eine horde ochsen. Ochsenhunger trifft das ganze ja wirklich gut! 
Und dann kommen noch diese verdammten Kurzschluss Handlungen. Als ob Ich ein Roboter wäre, der nicht in der Lage ist zu denken bzw. Sein handeln zu überdenken. 

Das ganze ist zum durchdrehen. Ich verstehe nicht wie sich das alles so entwickelt hat. Ich wollte einfach nur dünn sein als Ich damit angefangen habe. Dünn, "perfekt" zumindest äußerlich. Das Buch "Luft zum frühstück" fängt damit an, dass man den hauptcharakter fragt, wie es vorher war und wie das alles begonnen hat. Sie sagt, dass Sie es nicht mehr wisse. Und so geht es mir auch. Ich weiß dass Ich schon immer abnehmen wollte und mich als zu dick empfand. Alle waren dünner und besser. Und ein Telefonat mit H gab mir den arschtritt alles umzukrempeln. Und so machte Ich mich auf den weg mein leben zu verändern. Wenn ich schwach wurde, meine disziplin verlor, las Ich einfach Luft zum frühstück. Ich konnte mich in So vielem wiederfinden. Ihre Gefühle, ihre Ängste und träume. Ich fühlte mich verstanden. Und jetzt stehe Ich hier, nach 2 Jahren und bin immer noch So rund wie damals.Ich meine das passt irgendwie nicht. In meinem kopf ist die Vorstellung verankert, dass essgestörte Mädchen einigermaßen dünn sein müssen. Oder wenigstens normal. Aber das bin Ich nicht. Ich bin so überdimensional fett! Und so ein dickes Mädchen wie Ich es bin, kann keine "Essstörung" haben. 
Vielleicht eher eine binge eating Störung, aber Nicht bulimie. Ich möchte hier auf keinen Fall einen auf Mediziner oder sonst was tun. Das sind einfach meine (natürlich sehr subjektiven) Empfindungen.

Langsam weiß Ich einfach nicht mehr wo mir der kopf steht. Was versuche Ich zu erreichen? Wieso lasse Ich nicht einfach los? Die ganze Vorstellung nicht mehr an kcal und So weiter zu denken macht mir unheimlich viel Angst! Extrem viel Angst. Ich verbinde damit eine sofortige gewichtzunahme. 

Und da sind noch So viele Fragen!
Wann wird das alles aufhören? Wird das überhaupt einmal aufhören? Wieso kompensiere Ich meine Gefühle mit (nicht)Essen? Das ist wohl einer der größten Fragen. Wieso ausgerechnet mit Essen? Wieso an mir selbst? Ich könnte doch aggressiv werden, oder mich vollkommen zurückziehen oder sonst was.

Und als ob das alles nicht genug wäre, wächst der ganze druck. In der Schule, in der Familie, und natürlich auch beim abnehmen (bald sind Sommerferien und Ich möchte mein versprechen gegenüber meiner tante einhalten)
Ich habe Angst davor zu versagen. In jederlei Hinsicht.
Ich weiß, dass Ich in vielem besser sein könnte, aber einfach nur zu faul bin. Ich könnte mich deshalb manchmal wirklich ohrfeigen! 
Immer meckern und nichts ändern!

Ich habe wieder einmal So einigen Gefühlsmüll von mir gegeben. Aber langsam ist dieser spagat zwischen gesundem und ungesunden Denken/Handeln sehr ermüdend und nichts ist wirklich zufriedenstellend. Ich bin gerade dabei meinen Essensplan zu erstellen 357 kcal. Viel zu wenig. Aber allein beim Gedanken mehr einzuplanen kriege Ich würgreiz...naja. vielleicht sieht die Welt morgen wieder ganz anders aus.

Sie müssen sich bestimmt denken.
Ich würde es durchaus verstehen wenn sie langsam die geduld mit mir verlieren und mich am liebsten einer Gehirnwäsche unterziehen würden :D
Kleiner Spaß am Rande. 
Nee, was Ich eigentlich sagen möchte ist, dass es mir leid tut so anstrengend zu sein...
Allerdings möchte Ich ihnen mitteilen, dass Sie für mich eine große stütze sind und mir sehr helfen und Ich mich überaus glücklich schätze eine so verständnisvolle und sympathische Therapeutin zu haben. 
Danke :) 

Liebe Grüße

Sofia


P.s. entschuldigen Sie die ganzen Rechtschreibfehler. Das meiste wurde vom Wörterbuch übernommen...




Verschickt am 17.06.2012 um 2:06 Uhr

Kommentare:

  1. Nein ich bin nicht in Behandlung. In meiner Nähe war nichts frei, da ich ja auf dem Land wohne und dann war ich erst mal so frustriert, dass ich aufgegeben habe. wenn es nicht klappt ohne, muss ich es aber wohl wirklich anpacken ...
    meine e-mail ist ichbinnochimmerhier@web.de
    ich bin nicht so oft drin, weil ich mit den meisten leuten über facebook schreibe, aber wenn ich weiß, dass du mir schreibst werd ich mich auf jeden fall dran erinnern !
    <3

    AntwortenLöschen
  2. Hast du ihr diesen Brief geschickt, bzw. wirst du's noch tun? Ich kenne das, was du beschreibst. Dieser Kontroll-Verlust, dieser Hass, diese Fragen ... Ich hoffe, dass sie dir helfen kann.

    AntwortenLöschen